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Meine Erwartungen an meinen Klienten

„Wie, Erwartungen, an mich?“ werden Sie vielleicht denken. Ja genau. Die Erfahrung mit meinen Klienten der letzten Jahre hat gezeigt, dass allen Fragestellungen gewisse Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster zugrunde liegen. Egal mit welchem Thema ein Klient zu mir kommt, die letzten Jahre oder gar Jahrzehnte haben ihn in die Situation gebracht, in der er jetzt ist. Also erwarten Sie bitte nicht, dass nach einem Termin ein seit Jahren bestehendes Problem weg geblasen wird. Ich bin gut, aber zaubern kann ich noch nicht.

Ich erwarte von meinen Klienten, dass Sie sich Zeit nehmen (und damit auch Geld ausgeben), um Ihr Leben nachhaltig zu verbessern. Meine Klienten müssen aber vor allem Mut zur Veränderung mitbringen. Das ist oft leichter gesagt als getan. Auch wenn einem die aktuelle Situation vielleicht nicht behagt, die neue, veränderte Situation ist ja zunächst unbekannt. Vielen Menschen ist das bekannte, gewohnte „Elend“ lieber, als das unbekannte Glück. Veränderung führt meist auch zu Verunsicherung. Aber dafür gibt es ja den Coach und Berater, der einen da hindurch führt. Wer von meinen Klienten mutig genug war, hat es bisher noch nicht bereut.

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Bisherige Themen meiner Klienten

Die Themen, die meine Klienten zu mir führen sind sehr vielfältig. Dahinter verbergen sich aber oft Eigenschaften oder erlernten Verhaltensweisen, die früher einmal sinnvoll waren, es heute aber nicht mehr sind. Hier ein paar Beispiele:

  • Ehepaar Anfang/Mitte 30; Fragestellung: es kriselt mal wieder, wie stellen wir Vertrauen her, wie vermeiden wir die Trennung? Ergebnis: die Kommunikation ließ viel an alten Verletzungen erahnen, die noch nicht verheilt waren, auch familiäre Verstrickungen und schlimme Erfahrungen liessen beiden wenig Spielraum für eine unbeschwerte Ehe. Hier haben wir die verschiedenen Themen priorisiert und nacheinander abgearbeitet und zwischendrin immer wieder auf aktuelle Gegebenheiten zu reagiert. So konnten beide im Zeitverlauf ihre eigenen Wunden heilen und nach und nach an wieder eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen
  • Klientin, Mitte 30, verheiratet: Fragestellung war: Wie schaffe ich es, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen? Ergebnis war dann, dass sie sich für alles und jeden aufreibt und gar nicht  merkt, dass die eigenen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Obwohl sie also immer alles für jeden perfekt erledigt hat, war sie unglücklich. Sie hat sich selbst völlig vergessen. Als diese Erkenntnis da war, war der 2. Schritt, nämlich diverse Dinge zu verändern und beizubehalten, gar nicht mehr so schwer
  • Geschäftsführer, um die 50, verheiratet: Fragestellung war: Warum steht die Firma nicht so gut da, wie sie müsste, was mache ich falsch? Ergebnis: Schnell stellte sich raus, dass die Ehe seit Jahren für ihn zur Belastung wurde. Es fehlte an Vertrauen, Kommunikation, gemeinsamen Zielen. Es war also kein kaufmännisches Problem, wie er vermutete, sondern ein „häusliches“. Hier haben wir dann über die richtige Kommunikation nach und nach für Klarheit, Verständnis und damit für Vertrauen gesorgt, so daß man wieder zueinander finden konnte
  • Mann, Anfang 30, hoch qualifiziert: Fragestellung: Warum verlieren ich jeden Job in Rekordzeit, wie finde ich den passenden Job? Ergebnis: Seine bisherigen Stellen entsprachen in keinster Weise seiner Berufung. Seine Körper signalisierte das mit auffälligen Verhaltensweisen bis hin zu zwanghaftem Verhalten. In solchen Fällen arbeite ich auf Wunsch eng mit Psychiatern und Therapeuten. Die Berufung haben wir gemeinsam herausgefunden. Dann den dazu passenden Job, den er dann auch behielt
  • Mann Mitte 30: Auftrag an das Coaching war es, die Berufung zu finden, eine Arbeitsstelle und endlich wieder eine Partnerin. Genau genommen sind dies 3 große Aufträge. Durch intensives Coaching haben wir in 5 Monaten alle 3 Ziele erreicht, bzw. übererfüllt, da er jetzt auch eine Tochter hat

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Themen, die ich mit meinen Klienten immer wieder bearbeite, sind u.a. ein geringer Selbstwert. Daran zu arbeiten ist anstrengend, aber es geht, wenn einem erst mal klar wird, dass Vieles „nur“ von anderen eingeredet ist. Die Belohnung ist dafür um so schöner. Ein Klient schilderte einmal, dass er ein niemand sie, sich nichts traue, alles schief gehe und er überhaupt nicht weiter käme im Leben. Ich habe ihm unter anderem folgende Fragen gestellt:

  • wer hat festgestellt: ich habe ein Problem und brauche Hilfe?
  • wer hat sich überlegt, wie diese Hilfe aussehen könnte und wo sie herkommt?
  • wer hat recherchiert und sich mit Coaching befasst?
  • wer hat Michael Jahn gegoogelt?
  • wer hat ihn angerufen und einen Termin ausgemacht?

Alle diese Fragen hat mein Klient in der ersten Sitzung mit „Ich“ beantwortet. Da ist ihm klar geworden, dass er den ersten großen Schritt schon hinter sich hatte und seine Augen leuchteten. (Wieder ein Stückchen gewachsen).

Vielen fällt es auch schwer, Entscheidungen zu fällen. Oft, weil sie gar nicht genau wissen, was sie wollen. Sie glauben es zu wissen, aber oft verfolgt man Ziele anderer, oder für andere. Der Bruder von Walt Disney soll einmal gesagt haben: „Wer seine Werte kennt, für den ist jede Entscheidung leicht.“

Authentizität ist auch ein häufiges Thema. Ein Klient brachte es so auf den Punkt: „Ich will nicht authentisch sein, ich find‘ mich scheiße.“ Dabei bemerkte er gar nicht, dass er authentischer ist oder sein könnte, als manch anderer. Er wusste nämlich wie er (seiner Meinung nach) war und was er davon hielt. Ich kann nämlich nur authentisch sein, also echt sein, wenn ich weiss, wie ich bin. Sich selbst gut kennen ist eine Herkulesaufgabe. Und wenn ich mich dann kenne, wird mir nicht alles gefallen. Vieles will ich nicht wahr haben, oder andere sollen davon nichts wissen. Erst wenn ich meine blinden Flecken kenne und all meine negativen Seiten akzeptiert habe, also zu ihnen stehen kann, erst dann bin ich wirklich in der Lage, authentisch zu sein. Ganz oft hilft hier ein Perspektivenwechsel. Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist.

Selbstverständlich geht es häufig auch um Konflikte in der Beziehung oder in der Familie, also auch um tiefe Gefühle wie Wut, Trauer, Verletzung. Hier hilft die Erkenntnis: am meisten kann man von den Menschen verletzt werden, die man am meisten liebt. Das ist gar nicht so trivial. Das heißt nämlich, wo jetzt große Verletzung, Wut oder Trauer ist muss vorher Liebe gewesen sein (Achtung, Anerkennung, Wertschätzung…). In jedem Fall auch ein starkes Gefühl. Und genau dahin geht der Weg zurück. Auch wenn es kein einfacher Weg ist. Konflikte entstehen auch selten, weil einer dem anderen bewußt schaden will, auch wenn man das immer glaubt. Jeder verfolgt ein Ziel, eine Bedürfnisbefriedigung, und irgendwo unterwegs kollidiert man. Wenn sich die Erkenntnis breit macht, wie der Konflikt entstand, so ist man der Lösung nah, weil dann erst mal „Druck vom Kessel ist“, und man wieder vernünftig miteinander reden kann.

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Immer häufiger kommen Klienten, die sich persönlich weiter entwickeln wollen. Die sind für mich fast „schwieriger“ als die anderen, bei denen der „Kittelbrennfaktor“ hoch ist. Für die gilt: Ist das Herz voll, läuft der Mund über. Leider ist es tatsächlich so, daß die meisten Klienten kommen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Viel einfacher, weniger Zeit intensiv und damit auch günstiger für den Klienten wäre es, frühzeitig zu kommen. Wenn man sich die Frage stellt: Lohnt eine Beratung, der Gang zum Coach, so groß ist unser Problem doch gar nicht. Das wäre ideal. Oder wenn man regelmäßig einmal im Jahr zum „Familien-TÜV“ ginge. Nur um zu überprüfen: Paßt alles, sind wir auf einem guten Weg? Ich als Coach und Familienberater nutze Coaching, Beratung, Supervision und systemische Aufstellungen regelmäßig. Auch halte ich mit der Frau bzw. Familie ab und zu „Kriegsrat“. Einfach nur um sicher zu stellen: Alles paßt. Das ist sehr beruhigend. Warum man mit seinem Auto (ein Ding ohne Gefühle, das man mit Geld reparieren kann) wie selbstverständlich regelmäßig zum TÜV geht, aber dasselbe nicht für seine Liebsten tut, das werde ich nie verstehen.

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